Wie sexy „darf“ ich sein mit Adipositas?

Tag 179. 118 Tage post OP.

Heute morgen beim Schwimmen, während ich meditativ meine Bahnen zog, hab ich mich eingehender mit der Frage beschäftigt. Natürlich habe ich das auch schon vorher, aber bisher wußte ich noch nicht recht, wie genau ich dieses Thema angehen möchte. „Stark adipös zu sein“ und „sexy zu sein“ das geht im ersten Moment nicht unbedingt gut miteinander, dachte ich. Mit einer Kleidergröße 58 (jetzt 52) bin ich „abnormal“. Das kann man auch nicht weg diskutieren. Die Durchschnittsgröße der deutschen Frau liegt bei 42-44. Davon war und bin ich noch weit entfernt. Kann also jemand, der auf Grund seiner großen Leibesfülle in unserer Gesellschaft „abnormal“ ist für die Allgemeinheit trotzdem sexy wirken?

Laßt uns „abnormal“ sein

Den Begriff „abnormal“ benutze ich in diesem Zusammenhang völlig wertfrei. Wie immer ist auch das reine Einstellungssache. Ist es denn schlimm „anders“ zu sein? Muss ich denn unbedingt der Norm entsprechen bzw. ist das wirklich erstrebenswert? Bin ich glücklicher wenn ich mit meiner Körperform in der breiten Maße untertauche? Ich werde wohl nie „normal“ sein. Selbst wenn ich annähernd eine Durchschnittskleidergröße erreiche, wird meine Haut von meiner Vergangenheit erzählen. Aber das ist OK so. Irgendwie ist das nun mal auch ein Teil von mir.

3 Arten von Männern

Ein Freundin, mit der ich mich über das Thema unterhalten habe, unterteilte Männer (Sie sind nun mal eher unsere „Zielobjekte“), die auf dicke Frauen stehen, in 3 Kategorien:

  1. Die Männer, die einen sexuellen Fetisch ausleben wollen
  2. Die Männer, bei denen die Figur der Frau nicht im Vordergrund steht, bzw. die sehr ausgeprägte Rundungen attraktiv finden
  3. Die Männer, die schon immer mal mit einer dicken Frau Sex haben wollten und insgeheim darauf stehen, aber nicht in der Öffentlichkeit

Ich finde die Aufteilung tatsächlich sehr passend!

Unterbewußt habe ich früher Männer, die an mir interessiert waren, grundsätzlich erstmal unter Kategorie 1 verbucht. Ich konnte mir so gar nicht vorstellen, dass Mann auf eine übergewichtige Frau (einigen wir uns hier mal auf Adipositas Stufe III mit einem BMI über 40) stehen und dabei auch normal im Kopf sein kann. Ich empfand meinen Körper alles andere als ästhetisch oder sexy und jemand, der „sowas“ gut fand, mußte ja wohl einen an der Klatsche haben. Wie sehr ich mich damit eigentlich zu einem reinen Sexobjekt degradierte habe ich erst später verstanden.

Sexy sein auf Bestellung

Bei meinem 3-Monats-Shooting habe ich versucht, mein Verständnis von „sexy sein“ auf Fotos festzuhalten. Was soll ich sagen? War gar nicht so einfach. Und dabei rausgekommen sind auch eher etwas lustigere Interpretationen des Themas. Auf den Fotos, bei denen mich Frank aufgefordert hatte, doch mal „sexy“ zu schauen, sehe ich aus, als wäre ich kurz vorm Wachkoma. Null sexy. Eher langweilig. Lag vielleicht auch daran, dass ich mich eigentlich auch noch nicht so richtig sexy fühle in meinem Körper. Zumindest nicht zu dem Zeitpunkt, als ich schwitzend, in Lederimitat-Rock mit durchsichtigem Oberteil, unter Dauerbestrahlung einer gefühlten 1000 Watt Lampe vor der Kamera stand. Erst als ich das ganze als Spaß ansah, lief es besser.

Was bedeutet es sexy zu sein?

Bedeutet „sexy sein“ also, sich mit Schlafzimmerblick, aufgebrezelt – mit künstlichen Wimpern, Haaren und allem was man noch so optimieren kann – in aufreizender Kleidung bzw. Reizwäsche lasziv auf einem Bett zu räkeln?

Klar kann das sexy aussehen. Ich persönlich finde diese Variante allerdings sehr oberflächlich.  Egal ob dick oder dünn. Angesprochen werden rudimentäre Bedürfnisse und ich selbst sexualisiere mich und meinen Körper. Dessen muss ich mir bewußt sein. Will ich das? Wenn man, so wie ich, nicht der Norm entspricht, ist es eigentlich unumgänglich, dass dann auch Muster-Exemplare der Kategorie 1 auf mich anspringen – gewollt oder ungewollt.

Psydo-sexy Alex

Foto: Frank Waberseck

Ist meine Körperform und das was ich trage dafür ausschlaggebend, ob ich „sexy“ bin, oder hat es nicht auch eher etwas mit der inneren Einstellung mir Selbst gegenüber und mit meiner Ausstrahlung zu tun?

Für mich bedeutet „sexy sein“ so viel mehr als ein perfekt in Szene gesetzter Körper. Ein Blick, ein Lächeln, die Ausstrahlung eines Menschen, der mit sich im Reinen ist. Ein Moment der Verletzlichkeit, eingefangen auf einem Foto. Die Körperform ist dabei eher unwichtig.

Die Welt ist voll von diesen starken, schönen und sexy Frauen

Ich möchte in meinem Beitrag nicht nur Fotos von mir posten, sondern auch Frauen zeigen, die – egal ob mehr oder weniger kurvig – für mich sexy sind. Sexy auf Grund ihrer Ausstrahlung und ihres Mutes sich zu zeigen, mit all ihren vermeintlichen Makeln. Es ist nur eine kleine Auswahl, denn die Welt ist voll von diesen starken, schönen und sexy Frauen. Viele sehen sich selbst nur nicht so.

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Zurück zur Frage vom Anfang: Wie sexy „darf“ ich sein mit Adipositas?

Wir dürfen alles sein, was wir sein wollen! Völlig unabhängig davon, ob wir dick oder dünn, klein, groß, blond oder braun sind. „Sexy sein“ basiert nicht nur auf unserem Aussehen. Viel wichtiger ist unsere innere Einstellung und der Mut uns selbst so zu zeigen wie wir sind. Das ist anziehend, berührt die Seele und hat Bestand in einer Welt, die von Äußerlichkeiten geprägt ist. Unabhängig ob Frau oder Mann.

Kisses eure Alex

Fotos Alex: Frank Waberseck

Der Beitrag enthält Werbung durch Nennung andere Instagram-Profile

Ein Kommentar zu “Wie sexy „darf“ ich sein mit Adipositas?

  1. Du hast so recht meine Liebe!
    Lasst uns sexy, frei, frech und wunderbar sein!
    Unsere Körper erzählen alle Geschichten, manche wollen sie nur einfach nicht hören 😉

    Danke, dass ich ein Teil von dir sein darf!

    Liken

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